Walter Fuchs
Sensation im Schwalbennest

Bei einem Landwirt im Attergau kamen in dessen Kuhstall in einem Rauchschwalbennest vier Junge, davon drei weiße und ein wildfarbenes Schwalbenküken zur Welt.
Aufmerksam wurden die Bauersleute, als die Jungen abgeflogen waren, da das Nest von unten nicht einsehbar ist. Seit Jahren brüten die Rauchschwalben im selben Stall, an verschiedenen Stellen.

Dieses Jahr suchten sie sich eine Stelle im „Heuloch“ aus. Dies ist eine Aussparung in der Decke, wo im Winter das Heu von Heuboden in den Stall befördert wird. Ein Vogelzüchter aus Detmold, der schon jahrelang Urlaub auf dem Bauernhof macht und mit mir schon mehrere Jahre in Kontakt ist, rief mich an, ich solle mir dies anschauen.
Am 12. August abends als die Schwalben in ihre Heimstatt zurück kamen, konnte meine Frau sie fotografieren.

Für Schwalben war das heurige Frühjahr eine Katastrophe. Viele Junge starben im Nest, da durch die starken Regenfälle zu wenige Fluginsekten zur Verfügung standen – die Hauptnahrung von Schwalben und Mauerseglern. Auch bei Familie Eder ging die erste Brut verloren, die Zweite fliegt seit gut einer Woche mit  den drei Weißen. Das dritte Gelege wird zur Zeit bebrütet. Die Brutdauer beträgt  14 bis 16 Tage. Gebrütet wird vom Vollgelege an, nach drei Wochen fliegen die Jungen aus.

Wenn sehr viel Zeit zur Nahrungssuche verwendet werden muss, d.h. dass bei kühler Witterung weniger Insekten fliegen, kann es zu einer beachtlichen Schlupfverzögerung kommen.
Jetzt kann man nur hoffen, dass die Jungen bei Familie Eder rechtzeitig zum Abflug in ihr afrikanisches Winterquartier flügge werden und im nächsten Jahr wieder gesund zurück kommen.

Rauchschwalben zählen zu den Kulturfolgern unter Vögeln. Erst der Mensch ermöglichte ihnen durch die Viehzucht die heutige weite Verbreitung.
Bei schlechtem Wetter, also in Notzeiten, können Rauchschwalben in intakten Viehställen auf die Stallfliegen als Nahrung zurück greifen, dazu brauchen sie einen allzeit freien An- und Abflug in diesen.
Die größte Gefahr für Rauchschwalben sind nicht die Greifvögel, Marder oder Katzen (die letzten beiden erreichen Schwalbennester ohnehin nicht)  sondern die Dummheit und Ignoranz der EU Bürokraten in Brüssel.

Allein in meiner Gemeinde Wals haben  90 % der Bauern mit der Milchviehhaltung aufgehört.
Leerer Stall – keine Fliegen – keine Schwalben.
Von den wenigen Viehbauern die noch verbleiben, haben einige auf Bio-Betrieb umgestellt und jetzt kommt der Hammer!
Millionen Spesen fressende EU Bürokraten in  vermutlich  berauschendem  Zustand, haben sich etwas Besonderes ausgedacht, denn nüchtern könnte man nie auf so eine Idee kommen.
Landwirte die auf Bio-Milcherzeugung  umstellen, dürfen keine Rauchschwalben und auch keine andern Vögel in den Stall lassen, sie müssen Schwalben und andere Vögel aus dem Stall vergrämen, d. h. Nest und Nistgelegenheiten entfernen. Nützt das nichts, müssen sie Fenster und Türen mit einem feinmaschigen Gitter verschließen und einen elektrischen Fliegenfänger aufstellen. Wer diese Maßnahmen nicht befolgt, muss die EU-Förderung zurück zahlen. Kontrolliert wird dies von der AMA.

Als Vogelliebhaber macht sich durch eine solche Torheit  Wut und Trauer gleichzeitig breit.
Seit Menschengedenken gelten Schwalben als Glücksbringer, wenn sie in unseren Breiten auftauchen weiß man: Jetzt ist Frühling! Fliegen sie wieder fort ist die warme Jahreszeit vorbei. Herbst und Winter stehen vor der Tür.
Die wahren Vogelmörder sind nicht in den südlichen Ländern zu finden, die sitzen in Brüssel.
Dieser  Beschluss  wurde anlässlich der Vogelgrippe 2006 gefasst und gilt z.Z. nur für Bio-Milchbetriebe. Verwundert bin ich allemal darüber, auch darüber dass sich  von
Vogel- und Tierschutzschutzorganisationen niemand aufgeregt hat.
Oder war dies eine Nacht und Nebel Aktion?

W.F.  - IVÖ-GF.

 




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