Walter Fuchs
Zu Besuch in der Zuchtanlage von ACTP Deutschland

Martin Guth ist der Vorsitzende des Vereins zur Erhaltung bedrohter Papageien e.V. (ACTP) der seinen Sitz in Schöneiche, Bundesland Brandenburg hat.
Bei unserer Züchterreise 2012 hatten wir Gelegenheit die Zuchtstation von ACTP  in Schöneiche zu besuchen.

Ermöglicht hatte und diesen Besuch in einer er der modernsten Zuchtanlage Europas mein alter Vogelspezie Werner Neumann. Mit seiner Fürsprache hatten wir die Gelegenheit diese einmalige Papageienzuchtanlage zu besuchen.
Nachdem wir schon über 2000 km Vogeltour hinter uns hatten war die; im wahrsten Sinne des Wortes; der krönende Abschluss. Es ist sicherlich nicht so, dass man zur Anlage von ACTP hinfährt, anklingelt und sagt: „Ich bin jetzt hier und möchte Ihre Anlage mit den Papageien anschauen!“

Das ist auch nicht der Sinn einer Papageienzuchtanlage für seltenste Papageien, dass täglich fremde Leute die Vögel stören, dazu gibt es Vogelparks und Zoos.
Wir drei Ösis hatten den Besichtigungstermin am Samstag um 14 Uhr und am Sonntag einen Fototermin. d.h. da sollte ich Gelegenheit haben in die Volieren zu gehen und zu fotografieren.

Die Tage zuvor hatten wir schon einige Zuchtanlagen besucht wobei ich die  Gelegenheit hatte, einige hundert Bilder zu machen – mit dem Resultat, dass gerade vor dem Besuch bei ACTP mein Akku leer und das Ladegerät zu Hause war.
Am Samstagabend lud uns Martin Guth zu einem Grillabend ein bei einer netten, lockeren Atmosphäre unterhielten wir uns sehr gut. Es waren noch vier Papageienzüchter aus Schweden zu Besuch. Da erzählte ich Martin Guth von meinem Problem, für dass er sofort eine Lösung hatte: nämlich meine Speicherkarte in seinen Fotoapparat zu geben. So konnte ich jede Menge Fotos machen. Die heutige Fototechnik macht es möglich. Für Sonntag hatten wir dann den Fototermin und ich konnte mich richtig „satt“ fotografieren.
Soviel jetzt zur Vorgeschichte.

Die Volierenanlage ist nach neusten Erkenntnissen und Überlegungen von ACTP geplant und gebaut worden, gilt aber jedoch als überholt, denn zur Zeit sind 173 Volieren im Bau, die noch effizienter  und moderner sein sollen wie die besehenden Volieren. Die kleinsten Außenvolieren,  wie sie für die Haltung von diversen Amazonen und Palmkakadus gedacht sind, weisen eine Länge von 10 m, eine Breite von 2 m breit sowie 3 m Höhe auf. Die dazugehörigen Innenanlagen sind ebenfalls sehr großzügig  bemessen. Hier steht den Tieren ein Bereich von  3,5x2x3 m zur Verfügung. Die Großpapageien nutzen hingegen Außenanlagen von 14 m Länge, 3 m Breite und  3 m Höhe, während deren Innenraum 3,5x3x3xm umfasst. Das Innenhaus, gebaut aus Doppelstegplatten, beheizt mit Erdwärme, jedes Abteil ist Video überwacht. Im Personalhaus sind die Bildschirme untergebracht, wo jederzeit die Möglichkeit besteht, die einzelnen Paar zu sehen. Ebenfalls das Geschehen im Nistkasten, aber auch die Außenanlage wird rundum überwacht.

Die ganze Volierenanlage ist mit einem 2 m  breiten Gang umgeben und von außen nicht einsehbar, in dem 2 American Stafford Bull Terrier ihren Dienst verrichten, zusätzlich ist ein Nachtwächter anwesend.
Liebe Leser, Sie wollen jetzt endlich wissen was ich fotografieren konnte und was da so streng bewacht wird.

Nun ich hatte noch nie zuvor so viele Spix Ara auf einmal gesehen. Gleich mehrere befinden sich in der Anlage von ACTP. An Amazonen pflegt und züchtet ACTP Kaiser-, Königs-, St. Vincent-, Blaumasken-, blaue Gelbnackenamazonen,  Rotschwanzamazonen, aber auch große Hellrote Ara werden gezüchtet, sowie der Große Gelbohrrabenkakadu, Palmkakadu werden ebenfalls sehr erfolgreich nachgezüchtet.
Nahezu einzigartig in Europa sind auch Maronenstirnsittiche und der selten gehaltene Arasittich. Es ist nicht das Ziel von ACTP ein Sammelsurium von Vögeln zu halten und zu vermehren. In erster Linie gilt es vom Aussterben bedrohte Arten nach zu züchten um den Bestand zu stabilisieren und hier wird nichts dem Zufall überlassen.
Es wird dreimal täglich gefüttert, eine Amazone erhält im Schnitt Morgens wie Abends 60 Gramm Futter, bestehend aus Körner, Obst und Pellets, so bleiben sie fit und neigen nicht zum Verfetten. Daneben gibt es täglich frische Äste zum Benagen und zur Beschäftigung. Auch das System der Futter Verabreichung hat sich ACTP  patentieren lassen. Die Fütterung erfolgt von außen, auch der Futterkorb ist außen angebracht und mit doppeltem Boden, so können Vögel den Futternapf nicht herunter werfen und verstreutes Futter fällt nicht auf den Volierenboden.

Bei den Amazonen werden die Partner getrennt voneinander gefüttert. Unter gewissen Umständen wird der Zugang zum Futternapf ist durch eine Plexi-Scheibe versperrt, sodass jeder Vogel die für ihn bestimmte Ration erhält.
Eine spezialisierte Tierärztin überwacht den Gesundheitszustand aller Vögel.
Bei meinem Besuch drängte sich für ich die Frage auf warum Martin Guth in seiner Anlage Mutationen von Gelbnacken-Amazonen hält, wenn er sich ganz und gar der Erhaltung bedrohter Papageien verschrieben hat, auch Palmkakadus sind nicht unmittelbar bedroht.

Die Antwort findet man unter anderem auch auf der Internetseite von ACTP. Neuartige Methoden wurden entwickelt um die Finanzierung von Schutzprojekten zu verwirklichen. Ein Prinzip ist: „Können Wildtiere ihren Schutz selbst finanzieren?“
Und der Drang nach Raritäten ist bei Züchtern ungebrochen. So werden die Einnahmen von Nachzuchten, die an private Züchter abgegeben werden für den Artenschutz vor Ort verwendet, dass alleine würde nicht reichen. Das Werben von Spendengeldern ist ebenfalls ein Ziel um Projekte zu finanzieren, aber auch um den Fortbestand von gefährdeten Arten auf möglichst breiter Basis zu garantieren. Dazu wird von ACTP neben der Zuchtstation in Deutschland auch eine in Dänemark, den USA und in Südafrika betrieben. Auch im Vogelpark Walsrode baut ACTP zurzeit eine Anlage mit  20 Volieren in der jedes Jahr andere Arten vorgestellt werden sollen.

Auch Königsamazonen wird es dann in Walsrode wieder zu sehen geben. Eine Maßnahme von ACTP ist es auch vor Ort die Bevölkerung zu sensibilisieren und sie auf ihren seltenen Vogelreichtum aufmerksam zu machen, indem man den Lebensraum schützt und die Jagd und den Handel unterbindet. Aber auch wissenschaftliche Untersuchungen vor Ort zur Ökologie und Fortpflanzungsbiologie sowie eine regelmäßige Bestandsschätzung sollen gemacht werden.
Es gehört auch der Aufbau eines Zuchtprogammes in den Ursprungsländer und eine eventuelle Auswilderung zu den Aufgaben des ACTP. Aber auch der Aufbau eines Zuchtprogrammes außerhalb der Ursprungsländer zur Gründung einer Sicherheitspopulation ist wichtig.
So ist der Bestand sämtlicher Karibik-Amazonen, die bekanntlich auf den Inseln von äußeren Einflüssen stark gefährdet sein können, vermutlich vom West Nil Virus bedroht, der durch eine Stechmückenart übertragen wird und die Papageien innerhalb kurzer Zeit tötet. Hierbei besteht das Problem in der Virusübertragung mittels der zahlreichen Zugvögel, die die USA überqueren und im mittelamerikanischen Raum überwintern. Projekte von ACTP  unterstützen hierbei die Beobachtung der Populationen und die Begleitung von Probeentnahmen zur Erkenntnisgewinnung.
Der Einsatz von moderner Technik vor Ort wird von ACTP ebenfalls gefördert.
Aber nicht nur Papageienprojekte unterstützt der Verein, auch den Hornguan, ein charismatischer Hühnervogel der in den Nebelwäldern Südmexikos und in Guatemala lebt, wird über den Vogelpark Walsrode Fond unterstützt. Aber auch andere Tierarten werden von ACTP unterstützt. Von den aktuellen Schutzmaßnahmen für die Blaumaskenamazone profitieren auch andere Vogelarten, wie z.B. eine lokale Unterart der Antillendrossel die extrem selten ist, auch die Weißbrust-Spottdrossel, der St. Lucia – Gimpelfink, dessen Bestand unter 1000 Exemplaren ist profitieren ebenfalls von den Schutzmaßnahmen.

Man hofft, dass der seit 1961 nicht mehr gesichtete Blassfuß-Waldsänger wieder entdeckt wird. Die Anlage von ACTP Deutschland in Schöneiche wird zurzeit wesentlich vergrößert. Neben 173 neuen Volieren werden noch drei große runde Flugvolieren gebaut, die in der Mitte ein beheiztes, wärme -isoliertes Innenvoliere hat, das ebenfalls mit Erdwärme geheizt wird. Dort sollen Jungvögel eine gute Kondition trainieren können in dem sie nicht  hin und her fliegen sondern ihre Runden ziehen können. Weiters ist eine Voliere im Bau wo Vögel die abgegeben werden mit einem Kennring versehen werden und durch eine Glasscheibe vom neuen Besitzer begutachtet werden. Die neuen Besitzer sitzen hierbei in einem kleinen Pub und können sich ein Ruhe ihren Neuerwerb ansehen. Es gäbe noch vieles über ACTP und Martin Guth zu erzählen, dazu gibt es auch eine Internetseite unter: http:\\www.act-parrots.eu finden sie alles Interessante.

Eine kleine Anekdote möchte ich ihnen doch noch erzählen:
Einen ersten Kontakt zu Vögeln hat jeder Vogelzüchter sozusagen die Initialzündung, sonst würden wir unsere Liebhaberei nicht betreiben. Auch bei Martin Guth gab es dies. 1980 bekam er von einem benachbarten Vogelzüchter einen Vogel geschenkt, der etwas anders aussah als seine Nestgeschwister. Der Züchter dachte, dass es sich um einen kranken Vogel handelt, doch stattdessen handelte es sich um einen gelben Mönchssittich. Er wollte ihn nicht unbedingt selbst behalten, so fuhr er mit dem Personenzug, den Mönchssittich in einem Karton, zum bekannten und gut befreundeten Vogelzüchter Gerhard Rübesam. Dieser erkannte sofort diese Seltenheit und gab dem kleinen Jungen 3.000 DDR-Mark. Das war eine Menge Geld für den jungen Martin Guth, das er in weitere Vögel investierte. Das war der Start für eine bisher erfolgreiche Kariere als Vogelzüchter und Schützer. Und auch auf die  Verbreitung der gelben Mönchssittiche nahm dieses Ereignis Einfluss. Bis heute basieren alle weltweit gehaltenen Tiere dieser Farbmutation auf den vogel des einst 10-jährigen Martin Guth.
Ich möchte mich an dieser Stelle bei Marin Guth aber auch bei Werner Neumann, der diesen Besuch überhaupt erst ermöglicht hat für die großartige Gastfreundschaften sehr herzlich bedanken.

F.W.




Rückseite der Anlage

 

Vorderseite der Anlage

 

Hellroter Ara

 

Hyazintharas

 

Spixara

 

Königsamazone

 

Blaue Mutationen der Gelbnackenamazone

 

Blaukopfamazonen

 

Rotschwanzamazonen

 

Arasittich

 

Maronensittich

 

Palmkakadu

 

Gelbohrrabenkakadu

 

Rainer Kistl, Martin Guth, Walter Fuchs, Günter Renner, Werner Neumann, Markus Neumann (v.l.)